VOI fesch – mehr als Mode

VOI fesch – mehr als Mode

2016 hat VOI fesch mit T-Shirts, Pullis, Taschen und individuellen Geschenkartikeln gestartet, die Kunst von Menschen mit Behinderungen sichtbar zu machen, um somit Menschen und Organisationen für mehr Inklusion zu sensibilisieren und zu begeistern.

Doch wie kam es eigentlich zu dieser Idee? Und was geschah in den vergangenen Jahren alles?

Eine VOI fesche Idee entsteht

Helmuth Stöber kam 27 Jahre lang kaum in Kontakt mit Menschen mit Behinderungen. Erst als er sich aktiv dafür entschied, sich freiwillig als Sachwalter zu engagieren, sammelte er eine Menge Erfahrungen im persönlichen Umgang mit Menschen mit Behinderung. „Ich hatte anfangs gewisse Hemmschwellen und Barrieren im Kopf und es war einfach schön zu sehen wie sich bei mir dieses unsichere Gefühl gelöst hat.“, so Helmuth im Interview mit Radio Wien.

Damals schon bewunderte er die Kunstwerke, die er in den Kreativstätten zu sehen bekam. Die Idee, diese Kunstwerke auf einem T-Shirt zu sehen, gefiel ihm zu diesem Zeitpunkt schon. Aus zeitlichen Gründen musste er die Sachwalterschaft allerdings nach drei Jahren beenden. Dabei fiel ihm auf, dass er, wie zuvor auch, im Alltag kaum noch Menschen mit Behinderungen begegnete. Um dies zu ändern setzte Helmuth seine Idee, die schon länger in ihm gereift war, um und gründete gemeinsam mit seiner Frau Anfang 2016 den Verein für originelle Inklusion, kurz VOI. Das erste Projekt des Vereins war das Modelabel VOI fesch. Dieses verfolgt bis heute das Ziel die Kunst und Fähigkeiten von Menschen mit Behinderungen sichtbar zu machen.

Helmuth scheute nicht davor, sich mit Freunden und Bekannten über den Verein und seine Ziele auszutauschen. So konnte er schnell weitere Mitstreiter*innen begeistern und für ein ehrenamtliches Engagement gewinnen.

Du möchtest mehr über die Arbeit von VOI fesch und die Philosophie dahinter erfahren? Und wie Inklusion aktuell umgesetzt wird? Dann empfehlen wir dieses sehr persönliche und sympathische Interview mit Helmuth, das im Februar 2019 von Radio Wien ausgestrahlt wurde.

Die ersten Motive

Gemeinsam mit der Lebenshilfe Niederösterreich als Partner entstand im Dezember 2015 das erste T-Shirt mit dem Motiv „Die Dame“, gezeichnet von Hans Steininger. Durch die Kooperation mit zwei Kreativstätten in Baden, folgten weitere Motive für T-Shirts und Taschen. Nun mussten die Motive nur noch unter die Leute gebracht werden.

Motiv "Die Dame" von Hans Steininger
"Die Dame" von Hans Steininger
Motiv "Die Menschen" von Rene Niedereder
"Die Menschen" von Rene Niedereder

Einer der ersten Präsentations- und Verkaufsstände konnte beim Donaukanaltreiben im Mai 2016 platziert werden. Durch dieses Event war der Verein erstmals auch in den Medien präsent. Dank des Interviews von Jenny Posch (W24) und einem Bericht auf der Titelseite der Zeitschrift Monat des Österreichischen Behindertenrat konnte ein weiterer Schritt in Richtung Sichtbarkeit gemacht werden.

Mit der Zeit entdeckten auch Unternehmen die bunte und vielfältige Kunst für sich und gaben individuelle Produkte in Auftrag. So bestellte der Dachverband beruflicher Integration, kurz „dabei-Austria“, individuell designte Taschen für ihre Jubiläumsfeier zum 15-jährigen Bestehen. Durch weitere Kooperationen vergrößerte sich die Produktpalette des Vereins immer weiter. Neben T-Shirts und Taschen, wurden nun auch erste Geschenkartikel bedruckt.

Einen Einblick in die Zusammenarbeit mit den Werkstätten ermöglicht der kurze Fernsehbeitrag des ORF. Das Team von heute Leben besuchte im Juni 2017 die Kreativstätte in Baden.

Zu Gast bei 2 Minuten 2 Millionen

Ein VOI fescher Meilenstein in der Geschichte des jungen Vereins war die erfolgreiche Teilnahme an der StartUp TV-Show 2 Minuten 2 Millionen auf Puls 4 im März 2017. In dieser haben StartUps die Möglichkeit potentiellen Investor*innen in 2 Minuten ihre Idee zu präsentieren und zu überzeugen. Mit dem Ziel möglichst vielen Menschen aufzuzeigen, wie cool und vielseitig die Kunst von Menschen mit Behinderung ist, stellt Helmuth sich (und den Verein) den Investor*innen vor. Diese ließen sich schnell begeistern. 

So stellte Leo Hillinger 500 Weine zur Verfügung, die mit originelle VOI fesch Etiketten bedruckt wurden und Dr. Hans-Peter Haselsteiner ließ 1.000 Mitarbeiter*innen der STRABAG AG mit T-Shirts und Taschen ausstatten. Durch Marie Hélène Ametsreiter und Michael Altrichter wurde die Werbe- und Vertriebsschiene unterstützt. Ein besonderes Konzept entstand durch die Zusage von Heinrich Prokop, CEO der Gutschermühle, 50.000 Müsliriegel zur Verfügung zu stellen. Besser hätte die Teilnahme an der Show nicht laufen können.

Den Beitrag kannst du dir hier anschauen.

Fotocredit: Gerry Frank

Durch die Förderzusage des aws Social Business Call Anfang 2017 entwickelte sich der ehrenamtliche Verein zu einem Sozialunternehmen. So konnten für einen befristeten Zeitraum erste Mitarbeiter*innen angestellt und im September 2017 ein kleiner Verkaufsladen in der Neubaugasse in Wien eröffnet werden. Die Ausstrahlung der Sendung 2 Minuten 2 Millionen ergab unglaublich viel positives Feedback, sodass die bis dahin erschienenen Produkte gut in Umlauf gebracht wurden und die Kunst sichtbar machen konnte.

VOI fesch Shop
Fotocredit: Philipp Schuster

Neben voi feschen Etiketten konnte im April 2017 gemeinsam mit dem Verein Ich bin aktiv die erste getanzte Modenschau beim Weingut Leo Hillinger präsentiert werden. Am Ende der Show standen die VOI fesch Künstler*innen persönlich für Fragen und interessante Gespräche zur Verfügung.

Künstler Rene Niedereder bei der Modenschau

Das Konzept der Modenschau wurde in den nächsten Monaten und Jahren mit der inklusiven Tanzgruppe Ich bin ok weitergeführt und professionalisiert. Es folgten unter anderem Auftritte beim sicht:wechsel-Festival in Linz und der Gesundheitsmesse in Nürnberg.

Durch die großartige Möglichkeit 50.000 Müsliriegel zu designen, die Heinrich Prokop VOI fesch bei 2 Minuten 2 Millionen versprach, entstand die Idee einen Kunstpreis ins Leben zu rufen. Das Ziel dabei war, noch mehr Künstler*innen zu motivieren und ihnen zu ermöglichen, ihre künstlerischen Talente einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Im Rahmen der Preisverleihung im September 2018 wurden die Künstler*innen, die von einer unabhängigen Jury und durch eine öffentliche Abstimmung unter die Top 16 gewählt wurden, geehrt. Die 5 Motive mit den meisten Stimmen wurden schließlich auf 50.000 Müsliriegeln realisiert und unter die Leute gebracht. Die Preisverleihung sollte eine Begegnung zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen ermöglichen. Dies gelang durch ein vielfältiges Rahmenprogramm, unter anderem mit inklusiven Tanz- und Musikbeiträgen.

Fotocredit: Sabine Zach

Der erste Kunstpreis war ein voller Erfolg, sodass sich erste Gerüchte verbreiteten, es würde einen weiteren geben. Nicht zu Unrecht, im Laufe des Jahres wurden tatsächlich schon erste Vorbereitungen für den Kunstpreis 2020 getroffen.

Mit dem Auslaufen der Förderung 2018 musste schließlich auch der eigene Shop geschlossen werden und ging in eine Vertriebspartnerschaft mit Unik.at über. Dort werden Menschen mit Beeinträchtigung gefördert und ausgebildet.

VOI fesche Kunstwerke auf fahrenden Riesen

Das Jahr 2020 war geprägt vom 2. Kunstpreis, mitinitiiert von Servoking. Diesmal war das Ziel, die Kunstwerke in überdimensionaler Größe auf den Sattelaufleger eines LKWs zu bringen. Im Frühjahr wurden die Sieger*innen ebenfalls per Jury und öffentlicher Abstimmung ermittelt. Statt einer Preisverleihung wurden die Künstler*innen der Top 15 jedoch pandemiebedingt im Rahmen einer Roadshow durch Österreich in ihren jeweiligen Heimatbundesländern geehrt. 12 der 285 eingereichten Motive wurden dank Servoking und Gradinger als rollendes Kunstwerk umgesetzt. So gehören nun auch KunstLKWs zur voi feschen Produktpalette.

Die stolze Familie von Künstler Albert Masser
Fotocredit: Kurt Patzak

Neben den Kunst-LKWs kamen auch voi fesche Mund-Nasen-Masken hinzu. Blitzschnell konnten während des ersten Lockdowns sechs Motive auf Masken verwirklicht werden und so die Kunst von Menschen mit Behinderung brandaktuell nach außen getragen werden.

Nun sind wir im Hier und Jetzt angelangt. An Ideen mangelt es definitiv nicht. Wir bleiben weiterhin voi kreativ und voi originell. Denn VOI fesch möchte weiterhin auf originelle Art und Weise Inklusion voranbringen. Dabei spielt nicht nur Mode eine wichtige Rolle, sondern auch Events, Aktionen, Geschenkartikel und vor allem die Botschaft hinter all dem tragen dazu bei, die Kunst von Menschen mit Behinderungen sichtbar zu machen. Seid gespannt und bleibt auf dem Laufenden.

  1. Harald
    29/03/2021 at 10:17

    Wow, ganz schön viel passiert in den letzten Jahren! VOI cool 🙂

  2. Beate
    19/04/2021 at 10:30

    Interessanter, schön geschriebener Bericht!

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Carolin Stöckl

Carolin

Ich unterstütze VOI fesch, weil ich es wichtig finde, dass die Talente und Fähigkeiten von Menschen mit Behinderungen gesehen werden und weil ich Spaß habe Blogbeiträge zu formulieren.

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